Hundetage,  Lifestyle

ANIMALISCHE MOMENTE: RUMSTEHEN – IMWEGSTEHEN

Wir haben ihre Vorfahren domestiziert und sie für unseren Nutzen gewonnen. Heute sind sie Lebenspartner und der beste Freund von uns Menschen geworden. Nehmen wir uns ihrer Bedürfnisse an und lernen sie zu verstehen, sind Hunde die ehrlichsten Partner der Welt und setzen für uns ihr Leben aufs Spiel. Aber sie haben eine Eigenschaft: IMWEGSTEHEN

 

Hunde, so heißt es, zeigen uns, was wirklich wichtig ist im Leben. Ich bin gelegentlich nicht ganz sicher, ob das stimmt. Mein Tier etwa ist in der Lage, Nachrichten von Straßensperren, Erdbeben oder einer Epidemie die zur Pandemie wird einfach zu verdösen. Auch, wenn ich mir beim Brot abschneiden aus Versehen die Fingerkuppe abtrenne oder ich einen wichtigen Termin verschlafe, verspürt mein Tier wenig Interesse am Geschehen. Sollte ich allerdings die Kühlschranktür öffnen, gerät es in Aufregung.  Das Auftragen meines Lippenstiftes kann gebannte Spannung auslösen, ebenso wie das Reinigen des Hundeplatzes. Gebannte Spannung äußert sich in der ersten Phase durch Hochspringen, Wedeln und intensives Angucken, in der zweiten und entscheidenden Phase durch eine große Errungenschaft meines Hundes: das IMWEGRUMSTEHEN. Das Bobbo vermag es geschickt, ungeschickt dort zu stehen, wo es gerade jetzt nicht stehen sollte. IMWEGRUMSTEHEN wird vor allem durch folgende Situationen noch verstärkt:

  • Das Tragen von schweren und, glühend heißen oder mit großen Wassermengen angefüllten Töpfen
  • Umstände, die sehr schnelles Handeln erfordern, etwa das Überkochen eines morgentlichen Haferbreis, der drohende Absturz eines Bügeleisens oder das Abdecken stark blutender Fingerkuppen
  • Ärger durch nicht funktionierende Wasserkocher, handwerkliche Misserfolge oder Bedienungsanleitungen minderer Qualität
  • Alle Situationen, in denen man es ziemlich eilig hat.

Das Tier vermag diese Umstände sofort zu erkennen und in seiner Eigenschaft als waagerechte Hürde zu entschleunigen. Erfahrene Hundetrainertreue unter Euch Lesern könnten jetzt einwerfen, dass diese Situationen allerdings durch ein kurzen Pfiff aufgelöst werden könnten, was dem Hund sagt, dass er sich sofort und ohne weitere Umwege auf seinen Hundeplatz zu begeben habe. In der Praxis lässt mein Pfeifvermögen in den oben angegebenen Fällen stark zu wünschen übrig. Mir gelingt allenfalls ein in höchster Anspannung herausgepresstes „Weg da…!“, was mir schon während ich es sage,  leid tut, weil es unverhältnismäßig unhöflich klingt. Das Bobbo beginnt dann auch eine nonverbale Fragenrunde in der es mir mit seinen schönen Augen, etwa Folgendes fragt: „Was habe ich schon wieder falsch gemacht? Sags mir? Was tust du da überhaupt? Kann ich dir helfen? Bist du sauer auf mich? Liegt es an nur mir? Gehen wir jetzt weg? Was ist da drin? Bist du wieder gut zu mir? Gibt’s bald was zu Futtern?“ Während der Fragenkanonade tanzt das Tier hinter und vor mir her und strapaziert meine Nerven aufs Äußerste. Dann steht es wieder. Wieder IMWEG.

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